Wenn du ein neues E-Liquid auswählst, ist es unglaublich leicht, sich von der endlosen Vielfalt an Geschmacksrichtungen und Nikotinstärken mitreißen zu lassen. Doch der wichtigste Faktor, der bestimmt, wie dein Vape wirklich performt – und ob es deine Coils ruinieren wird – liegt in zwei einfachen Abkürzungen, die auf der Flasche stehen: PG und VG.
Propylenglykol (PG) und pflanzliches Glycerin (VG) sind die stillen Arbeitspferde der Vaping-Welt. Gemeinsam mit Nikotin und lebensmittelechten Aromen bilden sie die „Heilige Dreifaltigkeit“ der E-Liquid-Zutaten. Zu verstehen, wie diese beiden Verdünner miteinander interagieren, wie ihre Sicherheitsprofile aussehen und wie du das richtige Verhältnis für dein spezifisches Gerät auswählst, ist der Schlüssel zu einem optimalen Vaping-Erlebnis.—
Die Grundlagen entmystifiziert: Was sind PG und VG?
Um zu verstehen, wie E-Liquids verdampfen, müssen wir zuerst die einzigartigen physikalischen und chemischen Eigenschaften von PG und VG betrachten. Obwohl beide chemisch als Alkohole klassifiziert sind, verhalten sie sich beim Erhitzen durch die Vape-Coil sehr unterschiedlich.
Propylenglykol (PG): Der Geschmacks-Carrier
Propylenglykol ist eine synthetische organische Verbindung. Es ist eine vollständig klare, geruchlose Flüssigkeit mit einer sehr niedrigen Viskosität – das heißt, sie ist dünnflüssig und fließt leicht wie Wasser. Durch diese dünne Konsistenz können Baumwoll-Wicks (Cotton) PG extrem schnell aufnehmen.
Beim Dampfen erfüllt PG zwei Hauptaufgaben:
- Geschmacksabgabe: PG ist ein exzellenter Lösungsmittel-„Träger“. Aromakonzentrate und Nikotin lösen sich in PG deutlich besser als in VG. Das führt zu einem schärferen, klareren und komplexeren Geschmacksprofil.
- Halsschlag: PG erzeugt beim Einatmen ein deutliches, leicht trockenes Gefühl im hinteren Rachen. Für umsteigende Raucher imitiert dieser „Halsschlag“ sehr nah das körperliche Empfinden von brennendem Tabakrauch – und macht den Wechsel auf Vaping deutlich leichter.
Pflanzliches Glycerin (VG): Der Wolkenmacher
Pflanzliches Glycerin ist eine natürliche, organische Verbindung, die aus Pflanzenölen gewonnen wird – typischerweise Kokos-, Soja- oder Palmöl. Chemisch ist VG ein Triol (mit drei Hydroxylgruppen), während PG ein Diol ist (mit zwei). Diese zusätzliche chemische Bindung hält die Moleküle von VG besonders fest zusammen, wodurch VG einen viel höheren Siedepunkt und eine dickflüssig-sirupartige Viskosität besitzt.
Beim Vaping sorgt VG für:
- Dampfproduktion: Durch seine Dichte und den hohen Siedepunkt erzeugt VG bei Hitze massive, dicke und lang anhaltende Dampfwolken.
- Sanftheit: VG bietet eine unglaublich weiche, samtige Inhale – praktisch ohne Halsschlag. Außerdem hat es eine milde, natürliche Süße, die das Gesamtprofil deines E-Liquids leicht abrunden kann.
Sicherheitsprofile & alltägliche Anwendungen im Haushalt
Ein häufiger Grund, warum neue Vaper zögern, sind die chemisch klingenden Namen dieser Inhaltsstoffe. Doch sowohl PG als auch VG sind unglaublich gängige, alltägliche Verbindungen, die du sehr wahrscheinlich entweder isst oder täglich auf deine Haut aufträgst.
Beide Stoffe werden von führenden globalen Gesundheitsbehörden, darunter die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die britische Food Standards Agency (FSA), als „Generally Recognized as Safe“ (GRAS) eingestuft.
Häufige Anwendungen von PG und VG
Um ihre Sicherheit besser einzuordnen, lohnt sich ein Blick darauf, wo diese zwei Inhaltsstoffe sonst noch in unterschiedlichsten Konsumentenbranchen eingesetzt werden:
- In Lebensmitteln: PG wird als Lebensmittel-Konservierungsstoff, Feuchthaltemittel (Humectant) und Lösungsmittel für Farbstoffe verwendet. VG findet man breit eingesetzt als Süßungsmittel, Verdickungsmittel und Feuchteregulator in Backwaren.
- In der Medizin: PG ist die primäre Trägerflüssigkeit, die in Asthma-Inhalatoren, oralen Zubereitungen und topischen Cremes genutzt wird. VG ist eine zentrale Zutat in Husten-Sirups, Kapselpräparaten und Salben.
- In Kosmetik: Beide Inhaltsstoffe kommen in Zahnpasta, Deodorants, Make-up, Handcremes und Seifen besonders häufig vor, um Feuchtigkeit zu binden.
- In der Unterhaltung: PG ist die Hauptzutat in Theater-Nebelmaschinen, um künstlichen Rauch zu erzeugen.
Umgang mit PG-Sensibilität und Austrocknung
Auch wenn beide Inhaltsstoffe nicht toxisch sind, sind sie sehr hygroskopisch – das bedeutet, sie nehmen von Natur aus Feuchtigkeit aus ihrer Umgebung auf. Wenn du dampfst, kann der verdampfte PG- und VG-Dampf Feuchtigkeit aus deinem Mund und Rachen aufnehmen.
Das führt bei vielen neuen Vapers häufig zu kleineren Nebenwirkungen wie trockenem Mund, einem kratzigen Hals oder einem milden, schlenkernden (tickligen) Husten. Das lässt sich leicht ausgleichen, indem du deine tägliche Wasserzufuhr erhöhst. Ein kleiner Teil der Bevölkerung hat jedoch eine echte Sensibilität oder Allergie gegen PG. Wenn nach dem Dampfen von High-PG-Liquids anhaltende Reizungen im Hals, Hautausschläge oder Probleme in den Nebenhöhlen auftreten, wird das Problem durch den Wechsel auf ein High-VG- bzw. 100% VG-E-Liquid behoben.
Wie PG/VG-Verhältnisse dein Vaping-Erlebnis formen
E-Liquids werden in verschiedenen Verhältnissen gemischt, um unterschiedliche Vorlieben abzudecken. Durch das Anpassen des Gleichgewichts zwischen PG und VG können Hersteller den Halsschlag, die Geschmacks- Klarheit und die Dichte der Wolken individuell einstellen. Hier ist eine Übersicht über die gängigsten Verhältnisse, die es heute auf dem Markt gibt:
1. 50VG/50PG: Der ausgewogene Standard
Das ist das gängigste und vielseitigste Verhältnis überhaupt. Es bietet den perfekten Mittelweg: ein klar definiertes Geschmacksprofil, ein moderater Halsschlag und eine unaufdringliche Menge an Dampf. Es ist der absolute Standard für Nikotinsalz-E-Liquids und wird Anfängern besonders empfohlen.
2. 70VG/30PG: Das Sweet Spot für Cloud Chasing
Dieses Verhältnis ist für Vaper gedacht, die dichte Wolken erzeugen möchten, ohne dabei komplett auf Geschmack zu verzichten. Die Inhale ist spürbar sanfter als bei einem 50/50-Mix – mit einem sehr milden Halsschlag. Es ist das Standardverhältnis für Shortfills und Freebase-Nikotin-E-Liquids.
3. 80VG/20PG bis 90VG/10PG: High-Performance-Wolken
Diese Verhältnisse sind besonders beliebt bei „Cloud Chasern“ und Hobbydampfern. Der Halsschlag ist nahezu nicht vorhanden, und die Dampfwolken sind extrem dicht. Weil der PG-Anteil jedoch so niedrig ist, können komplexe Aromen etwas gedämpft wirken oder von der natürlichen Süße des VG „überdeckt“ werden.
4. Max PG vs. Max VG
„Max PG“-E-Liquids maximieren Halsschlag und Geschmack und erzeugen nahezu keinen sichtbaren Dampf – ideal für ultradiskretes „Stealth“-Vaping. Umgekehrt enthalten „Max VG“-Liquids die absolute maximale Menge an VG, die möglich ist (oft 100% VG, wobei Aromen in einer VG-Basis suspendiert sind statt in PG). Das macht sie zur perfekten Wahl für Vaper mit starken PG-Allergien.

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Gerätekompatibilität: Verhältnisse passend zu deinen Coils
Das falsche PG/VG-Verhältnis für deine konkrete Vaping-Hardware ist die häufigste Ursache für undichte Tanks, verbrannte Coils und eine schwache Performance. Die Leistungsabgabe deines Geräts und der Coil-Widerstand (gemessen in Ohm, oder Ω) bestimmen, welche E-Liquid-Dicke es verarbeiten kann.
Da VG sehr zähflüssig ist, dauert es deutlich länger, in einen Cotton-Wick einzusickern. Wenn du ein High-VG-Liquid in einem kleinen, leistungsschwachen Gerät nutzt, kann der Wick die dicke Flüssigkeit zwischen den Zügen nicht schnell genug aufnehmen. Das führt zu einem trockenen, verbrannten Zug (Dry Hit). Umgekehrt gilt: Weil PG sehr dünnflüssig ist, kann die Verwendung eines High-PG-Liquids in einem leistungsstarken Sub-Ohm-Tank dazu führen, dass die Flüssigkeit die Coil-Kammer „überflutet“ – mit starkem Lecken und Spucken.
| Coil-Widerstand (Ohm Ω) | Vaping-Stil | Empfohlenes PG/VG-Verhältnis | Warum dieses Verhältnis funktioniert |
|---|---|---|---|
| 1,2Ω bis 2,5Ω (Hoher Widerstand) | Mouth-to-Lung (MTL) | 70% PG / 30% VG oder 50% PG / 50% VG | Dünnflüssige Liquids dringen bei niedrigen Wattzahlen mühelos durch die kleinen Coil-Ports, ohne zu verstopfen. |
| 0,6Ω bis 1,0Ω (Mittlerer Widerstand) | Eingeschränktes DTL / MTL Pods | 50% PG / 50% VG oder 60% VG / 40% PG | Ein vielseitiges Spektrum, das ausgewogene Liquids perfekt handhabt – mit moderaten Wolken und starkem Geschmack. |
| 0,1Ω bis 0,5Ω (Sub-Ohm / Geringer Widerstand) | Direct-to-Lung (DTL) | 70% VG / 30% PG bis zu 90% VG / 10% PG | Dicke Flüssigkeit verhindert Leckagen in großen Airflow-Ports; hohe Leistung verdampft dichtes VG effizient. |
Nikotintypen & Synergie mit dem Verhältnis
Deine Wahl des PG/VG-Verhältnisses sollte außerdem zu dem Nikotintyp passen, den du bevorzugst zu verwenden. Nikotin in E-Liquids gibt es grundsätzlich in zwei klaren Formulierungen: Freebase-Nikotin und Nikotinsalze (Nic Salts).
Freebase-Nikotin
Das ist die klassische Form von Nikotin. Es liefert einen stärkeren, deutlich spürbaren Halsschlag, der mit steigender Nikotinstärke schärfer wird. Freebase-Nikotin wird am häufigsten mit High-VG-Verhältnissen (z. B. 70/30) bei niedrigen Stärken (3mg/ml oder 6mg/ml) für Sub-Ohm-Vaping kombiniert. Denn die hohe Leistung liefert reichlich Nikotin, ohne den Halsschlag unerträglich hart zu machen.
Nikotinsalze (Nic Salts)
Nikotinsalze werden hergestellt, indem man dem Freebase-Nikotin eine schwache Säure (meist Benzoe- oder Zitronensäure) hinzufügt. Dadurch sinkt der pH-Wert – und selbst bei sehr hohen Stärken (z. B. 10mg/ml oder 20mg/ml) entsteht eine unglaublich sanfte Inhale. Nic Salts werden fast ausschließlich mit ausgewogenen 50/50 PG/VG-Verhältnissen kombiniert. Da sie in Low-Power-Pod-Systemen verdampft werden, sorgt die dünne 50/50-Konsistenz für ein schnelles Nachfließen, während die sanfte Salzformulierung verhindert, dass der Halsschlag zu kratzig wird.—
- Mehr erfahren: Der Unterschied zwischen Nikotinsalzen und Freebase-Nikotin
DIY-E-Liquid-Mischen: Deinen perfekten Mix selbst maßschneidern
Wenn du kein vor gemischtes E-Liquid findest, das deinen gewünschten Halsschlag, die Geschmacks-Klarheit und die Dampfproduktion perfekt trifft, ist das Mischen deines eigenen DIY-E-Liquids eine besonders lohnende Alternative. Wenn du PG und VG in separater, pharmazeutischer Qualität kaufst, erhältst du die volle Kontrolle über dein Vaping-Erlebnis.
Wenn du deine eigenen E-Liquids mischst, behalte diese grundlegenden Richtlinien im Blick:
- Starte mit einer 50/50-Basis: Wenn du dir über deine Vorlieben unsicher bist, ist ein 50/50-Mix der sicherste Startpunkt zum Testen neuer Aromakonzentrat-Kombinationen.
- Berücksichtige die Flavor-Carrier: Fast alle stark konzentrierten, lebensmittelechten Aromos sind in einer PG-Basis suspendiert. Wenn du dein finales Verhältnis berechnest, stelle sicher, dass du deine Aromakonzentrate als Teil deines gesamten PG-Anteils einrechnest.
- Nutze hochwertige Zutaten: Kaufe ausschließlich PG und VG in USP-(United States Pharmacopeia)- oder EP-(European Pharmacopoeia)-Qualität, um sicherzustellen, dass du reine, kontaminationsfreie Basen einatmest.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
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Kann ich High-VG-E-Liquid in einem einfachen Pod-System verwenden?
Meistens: nein. Die meisten einfachen Pod-Systeme nutzen kleine Coils mit winzigen Wicking-Ports. Dickere, High-VG-E-Liquids (70% VG oder mehr) schaffen es oft nicht, den Cotton schnell genug zu sättigen. Das führt zu Dry Hits und rasch verbrannten Coils. Bleib bei Pod-Systemen bei einem ausgewogenen 50/50-Verhältnis.
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Warum schmeckt mein Vape verbrannt, wenn ich in einem Sub-Ohm-Tank einen 50/50-Liquid verwende?
Auch wenn ein 50/50-Liquid sich leicht verdampfen lässt, laufen Sub-Ohm-Tanks bei hohen Wattzahlen. Da 50/50 dünnflüssig ist, kann die hohe Hitze die Flüssigkeit schneller verdampfen, als der Tank-Airflow sie abkühlen kann – oder das dünnflüssige Liquid kann die Coil überfluten. Das führt zu spuckenden Rückständen (Spit-back) und zu einem verbrannten Geschmack. Sub-Ohm-Tanks funktionieren am besten mit dickeren 70/30- oder 80/20-VG/PG-Blends.
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Ist VG sicherer als PG, weil es natürlich ist?
Sowohl PG als auch VG werden als nicht toxisch eingestuft und gelten als sicher für die menschliche Aufnahme. Auch wenn VG aus natürlichen Pflanzenölen stammt und PG synthetisch ist, gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise darauf, dass das eine gesünder oder sicherer zu inhalieren ist als das andere. Die Entscheidung sollte daher rein nach Gerätekompatibilität und persönlicher Vorliebe getroffen werden.