Eine neue wirtschaftswissenschaftliche Studie zeigt, dass der Umstieg deutscher Raucher auf weniger schädliche Alternativen wie Vaping die Krankheitslast deutlich reduzieren und das nationale Gesundheitssystem zwischen 2026 und 2040 um bis zu 75 Milliarden € entlasten kann.
- Massive Kosteneinsparungen: Ein realistisches Szenario zur Einführung prognostiziert 48 Milliarden € an direkten medizinischen Einsparungen, während ein optimistisches Modell auf 75 Milliarden € kommt.
- Verbrennung ist der Auslöser: Forschende betonen, dass das Verbrennen von Tabak – nicht Nikotin selbst – die Gesundheitsschäden verursacht. Vapes reduzieren die toxische Belastung um 60% bis 95%.
- Risiko-proportionale Politik: Expertinnen und Experten fordern Regulierung, die zwischen brennbaren Zigaretten und nicht-kombustiblen Alternativen unterscheidet, dabei aber einen strikten Jugendschutz aufrechterhält.
Unabhängige Forschende des Institute for Growth Opportunities and Innovation (IWCI) sowie der IU International University kommen zu dem Schluss, dass das Bekenntnis zu Tobacco Harm Reduction (THR) Deutschland bis zu 75 Milliarden € einsparen könnte. Angesichts stagnierender nationaler Raucherquoten bestätigt die neu veröffentlichte Studie, dass der Wechsel erwachsener Raucher zu nicht-kombustiblen Alternativen die Krankheitslast direkt verringert und die direkten medizinischen Ausgaben deutlich senkt.
In Auftrag gegeben von der HG Innovation Limited, untersuchte die gesundheitsökonomische Mikrosimulation die mögliche finanzielle Wirkung des Umstiegs von Rauchern auf Vapes zwischen 2026 und 2040. Das Modell betrachtete ausschließlich direkte Gesundheitskosten, darunter Krankenhausaufenthalte, medizinische Behandlungen und die langfristige Pflege.
Abhängig von der Einführungsrate risikoreduzierter Produkte skizziert die Studie drei unterschiedliche wirtschaftliche Ergebnisse für das deutsche Gesundheitssystem:
| Einführungsszenario | Prognostizierte Einsparungen im Gesundheitswesen (2026–2040) |
|---|---|
| Konservativ | 15 Milliarden € |
| Realistisch | 48 Milliarden € |
| Optimistisch | 75 Milliarden € |
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Schon eine vergleichsweise moderate Veränderung im Konsumverhalten bringt erhebliche Vorteile für die öffentliche Gesundheit. Prof. Dr. Florian Hummel von der IU International University stellte fest, dass, wenn innerhalb eines Zeitraums von drei Jahren jährlich nur 10% der Raucher auf Vaping umsteigen, tabakbedingte Erkrankungen um 8% bis 10% zurückgehen würden. Allein diese moderate Verhaltensänderung könnte bis zu 3 Milliarden € an jährlichen Einsparungen im Gesundheitswesen erzeugen.
Die Studie bekräftigt eindrücklich einen zentralen wissenschaftlichen Konsens: Die Verbrennung von Tabak – nicht Nikotin an sich – ist der wichtigste Treiber für rauchbedingte Erkrankungen. Dr. Dominic Multerer, Studienleiter beim IWCI, hob hervor, dass internationale Biomarker-Daten zeigen: Wenn Raucher auf E‑Zigaretten umsteigen, sinkt die Belastung mit wichtigen Schadstoffen um 60% bis 95%.
Prof. Dr. Bernhard-Michael Mayer, Pharmakologe – ehemals an der Universität Graz – unterstützte diese Abgrenzung. „Die zentrale Botschaft lautet: Vapen statt Rauchen“, sagte er. „Die größten Gesundheitsrisiken entstehen durch Verbrennungsprodukte – viele dieser Risiken entfallen beim Vaping.“
Auch wenn vollständige Nikotinentwöhnung das primäre Ziel der Prävention im Bereich der öffentlichen Gesundheit bleibt, argumentieren Forschende, dass Harm Reduction eine unverzichtbare ergänzende Strategie ist. Millionen erwachsener Menschen in Deutschland rauchen trotz jahrzehntelanger klassischer Maßnahmen der Tabakkontrolle weiter – deshalb werden für Menschen, die nicht abrupt aufhören können oder wollen, pragmatische Alternativen benötigt.
Dementsprechend plädiert die Studie für einen risikoproportionalen regulatorischen Rahmen. Die Autorinnen und Autoren warnen, dass zu restriktive Vorgaben für nicht-kombustible Produkte zu unbeabsichtigten Verhaltensrückgängen hin zum Rauchen führen könnten. Stattdessen empfehlen sie eine klare Differenzierung zwischen Produktkategorien, verbindliche Qualitätsstandards und kontrollierte Mechanismen im Markt.
Entscheidend ist: Die Forschenden betonen, dass wirksamer Jugendschutz und Tobacco Harm Reduction keine Gegensätze sind. Unter Verweis auf internationale Beispiele wie das Vereinigte Königreich, Schweden und Japan zeigt der Bericht, dass streng regulierte Märkte die Raucherzahlen wirksam senken können, während Minderjährige gleichzeitig geschützt werden.