Die deutsche Bundesregierung hat den Tobacco Tax Modernization Act offiziell verabschiedet und führt damit eine umfassende Steuer auf alle E-Liquids ein, die ab dem 1. Juli 2022 gilt. Die Vorlage wurde sowohl im Bundestag als auch im Bundesrat beschlossen und richtet sich sowohl an nikotinhaltige als auch an nikotinfreie E-Juices. Dadurch steigen die Kosten für Verbraucherinnen und Verbraucher massiv, und die Existenz der mehr als 1.500 Vape-Shops des Landes wird gefährdet.
Die Steuer wird stufenweise eingeführt und schafft damit eine erhebliche finanzielle Belastung für Deutschlands große Community der „Dampfer“ (Vaper). Für eine handelsübliche 10-ml-Flasche E-Liquid müssen Verbraucherinnen und Verbraucher im nächsten Jahr sofort mit einer Preiserhöhung von rund 30 Prozent rechnen.
| Umsetzungsjahr | Steuersatz (pro ml) | Geschätzter Preisanstieg (10-ml-Flasche) |
|---|---|---|
| Juli 2022 | €0,16 (0,19 US-Dollar) | ~30% |
| 2026 (Maximum) | €0,32 | ~60% |
Da die Gesetzgebung ausdrücklich auch Produkte ohne Nikotin einschließt, können Händler die Steuer nicht umgehen, indem sie separate nikotinfreie Shortfills und Nikotin-Shots verkaufen. Branchenexperten gehen davon aus, dass dies viele stationäre Stores aus dem Markt drängen wird – und Verbraucher zugleich unbeabsichtigt zu Online-Händlern über die Grenze sowie in den Schwarzmarkt treiben könnte.
Diese aggressive Besteuerungsstrategie kommt, obwohl in Deutschland die Raucherquote hoch ist: Mehr als 22 Prozent der Deutschen über 15 Jahren rauchen Zigaretten. Der neue Gesetzentwurf erhöht außerdem die traditionellen Zigarettensteuern und führt Steuern auf erhitzte Tabakerzeugnisse (HTPs) wie IQOS ein – zu Sätzen, die mit brennbarem Tabak vergleichbar sind.
Die neuen deutschen Sätze werden Deutschland in Europa zu den am stärksten besteuerten Ländern für Vaping machen – auch wenn es weiterhin hinter der massiven Abgabe von Montenegro in Höhe von 0,90 € pro ml zurückbleibt.
| Europäisches Land | E-Liquid-Steuersatz (pro ml) |
|---|---|
| Montenegro | 0,90 € |
| Deutschland (bis 2026) | €0,32 |
| Finnland & Portugal | 0,30 € |
| Dänemark (in Planung) | ~0,27 € |
- Mehr dazu: Europäische Zigarettensteuern 2026
Der Zeitpunkt der deutschen Steuer ist extrem entscheidend, da die Europäische Union ihren harmonisierten Rahmen für Tabaksteuern neu bewertet – die Tabaksteuer-Richtlinie (TED). Die Europäische Kommission prüft derzeit einen Mindeststeuersatz für Vapor-Produkte in allen 27 Mitgliedsstaaten.
Als reichstes und bevölkerungsreichstes EU-Land könnte die stark steigende deutsche Steuer ein besorgniserregendes Präzedenzsignal setzen. Ein starker Vorstoß Deutschlands für einen hohen EU-weiten Mindeststeuersatz würde verhindern, dass deutsche Vaper nach günstigeren Alternativen in Nachbarländern suchen. Gleichzeitig fordern Gesundheitsbehörden in Spanien bereits eine eigene E-Liquid-Steuer – ein Zeichen für eine umfassendere Verschärfung der Regulierung in ganz Europa.