Strenge Vorgaben für alternative Nikotinprodukte in der gesamten Europäischen Union haben laut einer Februar-Studie des Fraunhofer-Instituts unbeabsichtigt einen boomenden Schwarzmarkt im Umfang von 6,6 Milliarden € geschaffen, wie eine Forschung des Fraunhofer-Instituts zeigt. Da illegale E-Zigaretten mittlerweile rund 50% des EU-Marktes ausmachen, warnen Expert:innen, dass restriktive Maßnahmen Verbraucher in Richtung nicht regulierter, potenziell toxischer Produkte drängen – und dabei wichtige Alterskontrollen für Minderjährige umgehen.
Die Kosten restriktiver Vaping-Politiken
Die neueste Analyse des Fraunhofer-Instituts zeigt eine direkte Korrelation zwischen strengen nationalen Vaping-Verbotsregelungen und dem explosionsartigen Wachstum des illegalen Handels. Derzeit hat das Schattenmarktvolumen einen Wert von 6,6 Milliarden €. Prognosen zufolge wird es sich nahezu verdoppeln und bis 2030 auf 11 Milliarden € steigen. Der Anstieg ist besonders stark in EU-Mitgliedstaaten, die die härtesten regulatorischen Rahmenbedingungen eingeführt haben, was ernste Fragen zur Wirksamkeit prohibitiv ausgerichteter Politiken in Ländern wie Mazedonien aufwirft.
Über die beträchtlichen Steuerausfälle durch Steuerhinterziehung hinaus steht vor allem die öffentliche Gesundheit im Fokus. Der Bericht des Instituts betont, dass der „große illegale Markt unabschätzbare Gesundheitsrisiken für Verbraucherinnen und Verbraucher“ birgt. Da diese illegalen E-Zigaretten vollständig außerhalb behördlicher Kontrolle agieren, enthalten sie häufig nicht getestete und unvorhersehbare Inhaltsstoffe. Die Analyse warnt zudem, dass diese nicht regulierten Komponenten zu akuten Vergiftungen und gravierenden langfristigen Gesundheitsschäden führen können.
Jugendschutz und Harmonisierung des EU-Rechts
Ein entscheidendes Versagen des Schwarzmarkts ist die völlige Missachtung des Jugendschutzes. Illegale Anbieter ignorieren routinemäßig Altersverifikations-Protokolle, wodurch es für Minderjährige gefährlich leicht wird, E-Zigaretten mit hohem Nikotingehalt zu erhalten.
Um diese Krise zu bekämpfen, empfiehlt das Fraunhofer-Institut nachdrücklich, die fragmentierten nationalen Verbote aufzugeben und stattdessen auf einen harmonisierten europäischen Regulierungsansatz zu setzen. Aktuell arbeiten die EU-Länder auf Basis einer Rahmenrichtlinie aus Brüssel, doch einzelne Staaten schärfen die Regeln teils massiv nach. So erhebt beispielsweise Slowenien die höchste Steuer auf Vaping-Liquids – was zu starken Preisunterschieden führt und Schmuggel über Grenzen hinweg besonders attraktiv macht.
Das Institut fordert einheitliche Produktstandards, harmonisierte Besteuerung sowie effizientere Importkontrollen. Nur wenn der EU ein transparenter, regulierter Markt geschaffen wird, kann sie den illegalen Handel im Umfang von 6,6 Milliarden € wirksam zurückdrängen und sichere Bedingungen für erwachsene Konsumenten gewährleisten.