Deutsche Zollbehörden haben eine internationale Schmuggelorganisation für E-Zigaretten zerschlagen. Dabei wurden 13 Haftbefehle vollstreckt und 600.000 illegale Vapes sichergestellt. Ermittler berichten, dass das organisierte Netzwerk innerhalb eines Jahres mehr als 7,6 Millionen nikotinhaltige Einweg-E-Zigaretten nach Deutschland geschmuggelt hat und dabei schätzungsweise 33,3 Mio. € an Tabaksteuer abwenden konnte.
Struktur des internationalen Schmuggelrings
Die Ermittlungen richten sich gegen 23 Verdächtige. Laut dem Zollfahndungsamt Essen bauten vier Mitarbeiter eines chinesischen Herstellers von E-Zigaretten ein Vertriebsnetz auf. Dazu nutzten sie Verkaufsagenten und Großhändler, um die Produkte illegal einzuführen. Die Gewinne wurden über Briefkastenfirmen zurück nach China oder auf Offshore-Konten umgeleitet.
Auf der Empfängerseite übernahmen 19 Verdächtige in Deutschland die Lieferungen, organisierten die Lagerung und verteilten die unversteuerten Produkte über den Schwarzmarkt. Das Netzwerk agierte in großen urbanen Zentren, darunter Köln, das Bergische Land, die nördliche Ruhrregion, Koblenz, Wesel, Frankfurt und Stuttgart. Inländische Käufer erhielten unversteuerte E-Zigaretten mit einem geschätzten Handelswert von 11 Mio. €.
Razzien, Beschlagnahmungen und Vermögenseinziehungen
Während der koordinierten Razzien stellten die Ermittler mehr als 100 Paletten mit illegalen Vapes sicher. Das entspricht ungefähr 4 Mio. € an zusätzlichem potenziellem Steuerschaden. Die Beamten richteten zudem den Fokus auf das kriminelle Vermögen der Verdächtigen und beschlagnahmten:
- Vier Immobilien
- Ein hochwertiges Luxusfahrzeug
- Luxusuhren, Goldbarren und Goldschmuck
- Bargeld und Wertgegenstände im Wert von mehr als 2,25 Mio. €
- Mittel über 37 eingefrorene Bankkonten
Die Aktion wurde vom Zollfahndungsamt Essen unter der Leitung der Zentralen Ansprechstelle für die Verfolgung von Straftaten und die Geldwäsche im Bereich Organisierte Kriminalität Nordrhein-Westfalen (ZeOS NRW) bei der Staatsanwaltschaft Düsseldorf gesteuert. Mehrere regionale Polizeidienststellen sowie Vertreter des Europäischen Amtes für Betrugsbekämpfung (OLAF) unterstützten die Maßnahme.
Reaktionen aus der Branche auf organisierte Vape-Kriminalität
Die 23 Verdächtigen müssen sich wegen groß angelegter gewerbsmäßiger Steuerhinterziehung sowie wegen der steuerlichen Abwicklung im Zusammenhang mit kriminellen Banden verantworten. Nach deutschem Recht gilt für alle Verdächtigen die Unschuldsvermutung, bis die Schuld bewiesen ist.
Oliver Pohland, Geschäftsführer des Verbands des E-Zigarettenhandels (VdeH), kommentierte das Ausmaß der Durchsuchungsaktion:
„Diese Aktion ist ein Schlag gegen den Schwarzmarkt und ein wichtiger Schritt zum Schutz der Verbraucher sowie des legalen Handels. Es war höchste Zeit, diese Strukturen mit genau diesem Maß an Entschlossenheit anzugehen. Das Ausmaß des Falls zeigt klar, dass es sich um organisierte Kriminalität handelt – nicht um isolierte Vorfälle.“